1219 – Agentur für gesellschaftlichen Dialog …

1219 – Agentur für gesellschaftlichen Dialog …

… und die franziskanische Initiative 1219. Religions- und Kulturdialog e. V.

Von 2012 bis 2018 habe ich als Gründungsgeschäftsführer die franziskanische Initiative 1219. Religions- und Kulturdialog e. V. geleitet, die von Pater Claudius Groß ofm und der Missionszentrale der Franszikaner ins Leben gerufen wurde, da man die Notwendigkeit eines franziskainschen Religionsdialoges in Deutschland sah. In dieser Zeit haben wir religionskundlich Seminare, Vortrags- und Podiumsveranstaltungen, Studienreise nach Bosnien und in die Türkei u.v.a.m. organisiert sowie Publikationen veröffentlicht. Für unsere Arbeit wurden wir vom Diözesanrat im Erzbistum Berlin 2017 mit dem Drei-Königs-Preis ausgezeichnet. Leider beschloß der Vorstand der Missionezentrale unter seinem neuen Präsidenten M. Maier die Unterstützung für 1219 e.V. soweit einzuschränken, dass die Mitgliederversammlung von 1219 e.V. beschloss, die Arbeit zum 31.10.2018 einzustellen – genau 800 Jahre dem Treffen zwischen Franziskus und dem Sultan in Ägypten. 1219 – Agentur für gesellschaftlichen Dialog ist der Versuch, die wichtige Arbeit des Dialoges der unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen in unserem Land im Sinne des hl. Franziskus fortzusetzen.

1219 e.V. erhält Drei-Königs-Preis 2018

Am Freitag, den 26.1. 2018 wurde die franziskanische Initiative 1219. Religions- und Kulturdialog e.V. durch den Diözesanrat der Katholiken im Erzbistum Berlin mit dem Drei-Königs-Preis ausgezeichnet.

Die Organisation der Laien und ehrenamtlich Aktiven in der katholischen Kirche ehrte mit dem Preis jährlich Einzelpersonen oder Organisationen, die sich in besonderer Weise für das friedliche Zusammenleben der Religionen und Kulturen einsetzen.In der Begründung heißt es, dass die franziskanische Initiative 1219. Religions- und Kulturdialog mit ihrem Engagement einen „wichtigen Beitrag gegen Vereinfachung, Vorurteile und Xenophobie leistet und das freie, friedliche und gedeihliche Miteinander fördert.“Seit 2012 ist die franziskanische Initiative 1219. Religions- und Kulturdialog im Religionsdialog und der religionsübergreifenden Zusammenarbeit aktiv. Mit Seminaren, Vorträgen, Tagungen und Publikationen vermittelt sie Wissen über Glaubensinhalte, Bräuche, Riten, Rituale und Hintergründe verschiedener Religionen. Sie engagiert sich im Berliner Forum der Religionen und organisiert zusammen mit einem interreligiös besetzen und ehrenamtlich arbeitenden Initiativkreis die Lange Nacht der Religionen in Berlin, an der sich im Jahr 2017 fast 100 Religionsgemeinschaften beteiligen und die von ca. 10.000 Menschen besucht wurde. Zurzeit setzt sich 1219 gemeinsam mit der Initiative „Ohne Unterschiede“ in besonderer Weise für einen fairen Umgang mit Musliminnen und Muslimen sowie dem Islam ein.Der Name 1219 bezieht sich auf das Jahr 1219, in dem der heilige Franziskus von Assisi während des 5. Kreuzzuges nach Ägypten reiste, um im Gespräch mit dem militärischen und geistlichen Oberhaupt der Muslime, Sultan Al-Kamil Muhammad al-Malik, den Krieg zu beenden.In seiner Dankesrede zur Preisverleihung während des Gottesdienstes in der St. Hedwigs-Kathedrale mit Erzbischof Dr. Heier Koch, betonte der Geschäftsführer von 1219, Dr. Thomas M. Schimmel:„(…) Wir Christinnen und Christen haben eine besondere Verpflichtung für den Frieden und den respektvollen Umgang miteinander. Es ist unser ureigener Auftrag, uns für das friedliche Miteinander einzusetzen: In der globalisierten Welt, in den Dörfern und Gemeinden, in der Stadt, im Kiez – ja sogar im Seitenflügel links. Wir Christen haben aus eigenem Selbstverständnis keine Feinde – aber wenn sich andere zu unseren Feinden erklären, dann ist es uns aufgetragen, sie zu lieben und entsprechend zu handeln. Wenn wir diesen Friedensauftrag nicht erfüllen und in unserer Zeit, an unserem Ort nicht umsetzen, nehmen wir unseren Glauben nicht ernst. Franziskus hat uns in der Begegnung mit dem Sultan auf beeindruckende Weise ein Vorbild gegeben. Als franziskanische Initiative versuchen wir, diesem Vorbild im interreligiösen Dialog nachzueifern.“

Danksagung zum Drei-Königs-Preis

Im Pontifikalamt am 26. Januar 2018 in der Hedwigs-Kathedrale Berlin dankte der Geschäftsführer der franziskanischen Inititiative 1219 für die Verleihnung des Drei-Königs-Preises dem Diözesanrat der Katholiken im Erzbistum Berlin:

Liebe Diözesanräte,
lieber Herr Streich, lieber Herr Gräf,
lieber Erzbischof Heiner,
liebe Brüder und Schwestern!

Viele herzlichen Dank für diese Auszeichnung, die uns ehrt und die uns in unserer Arbeit ermutigt. Leider kann unser Vorsitzender, Pater Claudius Groß, heute diese Auszeichnung nicht entgegennehmen, da er schwer erkrankt ist. Bitte schließen Sie ihn in Ihr Gebet mit ein.

Das Preisgeld werden wir für eine Publikation über Gebet in den verschiedenen Religionen einsetzen

Als franziskanische Initiative 1219. Religions- und Kulturdialog arbeiten wir in der Nachfolge des heiligen Franziskus von Assisi. Für ihn waren der Respekt vor der Schöpfung und der Frieden zentrale Punkte seines Glaubens: Er behandelte alle mit der gleichen Hochachtung – ob Mann oder Frau, Räuber oder Mitbruder, Papst oder Sultan.

Im Jahr 1219 – also vor 800 Jahren – reiste Franziskus nach Ägypten, wo im Nildelta der 5. Kreuzzug blutig tobte. Er wollte das geistliche und militärische Oberhaupt der Muslime treffen: Sultan Al-Kamil. Er tat dies in einer Situation, in der Hass und Krieg zwischen Christen und Muslimen herrschte. In den Jahren zuvor zogen Hassprediger durch Europa. Sie versprachen den Unterstützern eines Kreuzzuges gegen die Muslime das Paradies und Kritikern ewige Verdammnis. Sie schürten Vorurteile und haben Feindschaft gesät.

Danksagung Dr. Thomas M. Schimmel. Foto: Walter Wetzler

Franziskus hat das auf seine eigene Weise beeindruckt. Von ihm sind keine negativen Äußerungen gegen Muslime oder den Islam bekannt. In einer Gefechtspause ging Franziskus also vom Lager der Kreuzfahrer aus ins Lager der Muslime und wurde dort freundlich aufgenommen. Er traf den Sultan, sprach mit ihm und wurde ein paar Tage später unter muslimischem Militärschutz zurück in das Lager der Christen geleitet.

Franziskus hat bei dieser Begegnung und im Lager der Muslime viel gelernt. Er hat muslimische Glaubenspraxis erlebt und er hat diese Erfahrungen in praktisches Handeln umgesetzt: So weist er beispielsweise nach seiner Reise die Brüder, die unter Muslimen leben, an, jedermann untertan zu sein, keinen Zank und Streit zu beginnen, das Christentum zu bekennen, aber nur dann über den Glauben zu diskutieren, wenn es Gott offensichtlich gefällt. Mit seinem Lobpreis Gottes verfasst er eine Fortsetzung des muslimischen Gebetes der 99 schönsten Namen Gottes. Und in seinem Testament empfiehlt er, bei jeder Gelegenheit mit: „Der Herr gebe Dir Frieden“ zu grüßen, auf arabisch – Salam aleikum.

Dieses Ereignis aus dem Leben des Franziskus führt uns nochmal vor Augen, dass wir Christinnen und Christen eine besondere Verpflichtung für den Frieden und den respektvollen Umgang miteinander haben. Es ist unser ureigenster Auftrag, uns für das friedliche Miteinander einzusetzen: In der globalisierten Welt, in den Dörfern und Gemeinden, in der Stadt, im Kiez – ja sogar im Schöneberger Hinterhaus links. Wir Christen haben aus eigenem Selbstverständnis keine Feinde – und wenn sich andere zu unseren Feinden erklären, dann ist uns aufgetragen, sie zu lieben und entsprechend zu handeln. Wenn wir diesen Auftrag nicht erfüllen und in unserer Zeit, an unserem Ort nicht umsetzen, nehmen wir unseren Glauben nicht ernst. Franziskus hat uns auf beeindruckende Weise ein Vorbild gegeben. Als franziskanische Initiative versuchen wir, diesem Vorbild im interreligiösen Dialog nachzueifern. Das bedeutet auch, dass wir uns in dieser Zeit und in dieser Stadt sehr deutlich gegen Antisemitismus, Islamophobie, Populismus, Polemik und Generalverdächtigungen positionieren.

(v.l.n.r.) Michaela Arndt (1219 e.V.), Dr. Thomas M. Schimmel (1219 e.V.), Bernd Streich (Vorsitzender des Diözesanrates der Katholiken Berlin), Gereon Gräf (Vorsitzender des Katholikenrats beim Militärbischof). Foto: Walter Wetzler